Florian StrickerFlorian Stricker, Münster

Psychodramatische Ansätze in der Behandlung sexuell und anderweitig aggressiv ausagierender Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener


15. November 2019, 19.30 Uhr Vortrag
16. November 2019, 9.30-17 Uhr Seminar zu o.g. Thema

Ausgehend von einer Opfer-Täter-Spaltung aufgrund erlebter Misshandlungs-, Missbrauchs-, Vernachlässigungs- oder Verlusterfahrungen wird ein Ansatz zur Inszenierung und Behandlung mit psychodramatherapeutischen Vorgehensweisen vorgestellt.
Bei der hier betrachteten Gruppe von sexuell und anderweitig aggressiv ausagierenden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird insbesondere der Personenkreis betrachtet, bei dem von einer vorhandenen Aufspaltung in Opfer- und Täteranteile ausgegangen werden kann.
Beim Erleben sehr belastender und unerträglicher Erfahrungen bilden sich als Antwort zwei miteinander in Verbindung stehende Ich-Zustände bzw. -Anteile aus, die in erster Linie dem Überleben und der Bewältigung der überfordernden Emotionen dienen: Opfer- und Täteranteil. Diese Anteile können durch die psychodramatische Darstellung in ihrem energetischen Potential erfasst und ausgedrückt werden. Das Verfahren ermöglicht in der Regel insbesondere Täteranteile trotz eines hohen Grades an Widerstand und Verleugnung erfahrbar und sichtbar zu machen. Das Erkennen des Zusammenspiels der inneren Anteile in ihrer Dynamik ermöglicht eine qualitative Einschätzung der Gefährdung und schafft hierfür eine besondere Bühne für den Austausch zwischen Therapeut und Klient. Dabei kann die vorgestellte Methode hilfreich in verschiedenen Kontexten, wie z.B. in der Jugendhilfe, in Beratungsstellen, Kliniken sowie in der Bewährungshilfe  angewandt werden.

Der Vortrag beginnt zunächst mit einer Einführung in das Modell der Opfer-Täter-Spaltung. Anschließend werden Psychodynamik sowie energetisches Potential relevanter „Ich-Zustände“ in der Selbstorganisation sexuell übergriffiger und anderweitig aggressiv ausagierender Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener charakterisiert. Auf dieser theoretischen Basis sollen danach konkrete psychodramatherapeutische Interventionen bei der Anwendung des Modells  sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting anhand von Fallbeispielen skizziert und veranschaulicht werden.

Am nächsten Tag wird den Teilnehmer*innen des Workshops Raum geboten, um anhand eigener Fallbeispiele praktische Zugänge und methodische Ansätze für die Arbeit mit sexuell und anderweitig aggressiv ausagierenden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorzustellen und erfahrbar zu machen.


Florian Stricker, Diplom-Psychologe, Logopäde, Psychodrama-Therapeut, Weiterbildung in systemischer Traumatherapie, langjährige psychodramatherapeutische Einzel- und Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen im ambulanten, stationären und geschlossenen Setting,
langjähriger Mitarbeiter in der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Münster, Fortbildung und Supervision DGSv
Publikation:
Stricker, F. (2017) Wie kann die Opfer-Täter-Spaltung hilfreich inszeniert werden? Ansätze zur monodramatischen Arbeit in der Behandlung von sexuell übergriffigen Jugendlichen. In: Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie, Springer Verlag