Martin RuferLic. Phil. Martin Rufer, Bern


Erfasse komplex, handle einfach oder wie man in der Therapie auf den Punkt kommt.


Freitag, 15. März 2019, 19.30 Uhr Vortrag
Samstag, 16. März 2019, 9.30-17 Uhr
Seminar zum o.g. Thema


«Das Einfache ist nicht das Simple, sondern es ist das Komplexe, das sich nichts anmerken lässt», wie der Schweizer Autor Franz Hohler einmal treffend geschrieben hat. Wie aber lässt sich dieses „Einfache“ in Therapie und Beratung umsetzen? Welche Bedingungen sind nötig, damit z.B. der „breaking point“, der bei Klienten/Patienten Veränderungsprozesse in Bewegung setzt, erkannt bzw. angesteuert werden kann?
Aus der Theorie der Selbstorganisation wissen wir, dass der Wandel eine Tür ist, die nur von innen geöffnet werden kann. Anhand ausgewählter Fallbeispiele möchten wir uns in diesem WS auf die Spurensuche machen, wie, wann und wo Wesentliches passiert, das, was Therapeuten und Klienten therapeutischen Wandel anzeigt? Die Theorie der Selbstorganisation (Haken&Schiepek, Kriz, Tschacher u.a.) besagt, dass „Instabilitäten“ (in- und ausserhalb des therapeutischen Systems) Veränderungen einleiten und es diese dementsprechend als „inputsensible Phasen“ zu nutzen gelte. „Generische Prinzipien“ (Schiepek) können dem Therapeuten dabei behilflich sein, sozusagen ein Filter für prozessadaptives und „einfaches“ Handeln.
Welche Rolle kommt dabei dem Therapeuten im Rahmen des komplexen Geflechts eines therapeutischen Systems und seiner selbstorgansierten Dynamik zu? Die Synchronisation und Resonanz zwischen Therapeut und Klient, das Erfassen von verbalen, non- und paraverbalen Feedbacks bilden den zentralen Inhalt der viel zitierten „therapeutischen Beziehung“. In diesem Sinne ist der WS auch verknüpft mit dem Vortrag des Referenten. Allerdings soll im WS der Einblick in die eigene Praxistätigkeit, der anschauliche und gegenseitige Erfahrungsaustausch und damit der Diskurs entlang des Zweifels und der sich stellenden Fragen (und Zweifel) im Umgang mit den „Instabilitäten“ im Klientensystem und Therapieprozess im Vordergrund stehen: Wie deutet sich der Wandel an? Wie und wann komme ich mit meinen Klienten auf den Punkt? Welche „Prinzipien“ sind dabei zielführend? Habe ich dafür (m)einen roten Faden usw.?

Lic. phil. Martin Rufer, Ausbildung zum Primarlehrer (1966-70). Studium der Psychologie, Pädagogik und Soziologie mit Abschluss Erziehungsberatung (lic.phil.), Kinder- und Jugendpsychologie (1972-1978). Leitungsteam der Therapeutischen Gemeinschaft Schlüssel, Stiftung Terra Vecchia (1978-1990). 1978-1984 Erziehungsberatung Biel (Prof.R.v.Felten). 1990-1998 Arbeit im kinder- und jugendpsychiatrischen Dienst Biel (Dr.med.FMH R.Torriani). Aus- und Weiterbildungen in Systemtherapie sowie NLP. Privatpraxis als Psychologe und Psychotherapeut seit 1990 (Therapie, Supervision, Fort- und Weiterbildung). Kursleiter von Fortbildungskursen in systemischer Therapie (Uni Zürich, Basel, FSP, SPV , FMH). Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für systemische Therapie und Beratung (SGS) sowie der Expertenkommission Psychotherapie der FSP. Geschäftsleitung ZSB 2001-2009.

Aktuelle Publikationen (Auswahl)

Rufer, M. (2015). Zur Relevanz von nahen Beziehungen im psychotherapeutischen Prozess. In: Sammet I, Dammann G, Schiepek G, (Hrsg). Der psychotherapeutische Prozess. Forschung für die Praxis. Stuttgart: Kohlhammer.
Rufer, M. (2015). Welche Wissenschaft für welche Praxis? Wie soll das Fremdgehen zusammengehen?. Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung.
Rufer M. & Schiepek G.(2015). Therapie als Förderung von Selbstorganisationsprozessen. Ein Beitrag zu einem integrativen Leitbild systemsicher Psychotherapie. Familiendynamik 39, 326-335